Verkehrswende in Bretzenheim: Aufruf zum Dialog

Liebe LeserInnen, zum Thema Zukunft für Auto und Verkehr in Bretzenheim gibt es unterschiedliche Ideen, Interessen und Standpunkte. Zwei verschiedene Aspekte von Bretzenheimer Initiativen, der Nachhaltigkeitsinitiative in Bretzenheim und der Initiative Lebendiges Bretzenheim, finden Sie aus Platzgründen ausführlich im Internet. Lesen Sie selbst und machen Sie sich Ihr eigenes Bild.

Sie wollen sich am Dialog zum Thema Verkehr und Standortgestaltung in Bretzenheim beteiligen? – Herzlich willkommen! Der Verein BRETZENHEIM gestalten dient als neutrale Plattform für alle unterschiedlichen Interessensvertreter.

Gestalten wir gemeinsam unser Bretzenheim. Miteinander – Füreinander!

Am 13.12. findet im Rahmen der nächsten Mitgliederversammlung des Vereins die Bildung des „Team Standortgestaltung“ statt, das sich der Ausgestaltung der Bretzenheimer Verkehrs-Dialoge widmet/widmen soll. Diese Dialoge sollen Anfang 2023 beginnen. Kommen Sie vorbei und machen Sie mit.

Peter O. Claußen

In Kooperation mit MainzZero und dem BUND hat die Nachhaltigkeitsinitiative Bretzenheim (NiB) am 12.11.22 eine Veranstaltung mit Vortrag und Workshop zum Thema der Verkehrswende im Mainzer Stadtteil Bretzenheim durchgeführt. Wie kann Bretzenheim einen Beitrag zur Mobilitätswende leisten? Wie kann CO2 reduziert werden?

Der Verkehrsplaner und MainzZero-Aktivist Armin Schulz stellte überzeugend dar, warum eine Veränderung im Mobilitätsverhalten für alle BretzenheimerInnen wichtig und unabdingbar ist. Seine These: „Insbesondere der ruhende Verkehr bildet im Ortskern mit seinem hohen Platzbedarf ein störender Faktor, unter der die Aufenthaltsqualität, die fehlende Begrünung und letztlich die Wohnqualität des gesamten Stadtteils leidet. Zu den unverzichtbaren Bausteinen für Verkehrswende und Klimavorsorge gehören Maßnahmen, die effektiv dazu beitragen, Autonutzung und Autobesitz zu reduzieren. Umso mehr das gelingt, steigen die Chancen, den Straßenraum wieder für vielfältige Nutzungen zurückzugewinnen und die Lebensqualität in den Mainzer Stadtteilen zu erhöhen.“

Im Anschluss an den Vortrag fand eine Diskussion und Ideensammlung statt. Folgende Kernpunkte standen im Mittelpunkt:

  • Um eine sachliche Auseinandersetzung beim Diskurs zur Entwicklung eines Mobilitätskonzeptes zu erhalten, welches allen Verkehrsarten gerecht werden kann, sollten eine Erfassung des Fußgänger- und Radverkehrsaufkommens sowie Erhebungen zum Einkaufsverhalten erfolgen.
  • Wie kann der ruhende Verkehr eingedämmt werden, so dass einerseits Härten vermieden, aber gleichzeitig die Ziele des Klimaschutzes Schritt für Schritt erfüllt werden können?
  • Welche Verbindungen und Straßenzüge eignen sich besonders für Grünachsen? Ziel ist es, die Voraussetzungen zu schaffen, damit alle Bretzenheimer künftig in Ort und Umgebung wieder sicher und gemütlich spazieren gehen können, gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung als Schritt zu einer „Mobilität für alle“.

Darüber hinaus kamen Anregungen zu folgenden Punkten:

  • Den öffentlichen Nahverkehr durch einen Rufbusbetrieb zu ergänzen
  • Wohnungsnahe Car-Sharing-Stationen einzurichten
  • Das Abstellen von Fahrrädern auch in den engen Straßen des Ortskerns und insbesondere vor Geschäften zu ermöglichen
  • xMotivation der MitbürgerInnen, wieder die eigene Hofeinfahrt bzw. Garage zu nutzen, um Platz für gute Fuß- und Fahrradwege, Grün- und attraktive Aufenthaltsflächen zu schaffen.

Die Nachhaltigkeitsinitiative Bretzenheim wird zunächst die zahlreichen Ideen und Vorschläge der Veranstaltung dokumentieren. Daraus wird die Initiative Handlungsansätze entwickeln und sich dann öffentlich in die Diskussion einer (längst überfälligen) stadtteilspezifischen Zukunftsplanung Bretzenheims aktiv einbringen.

Andrea Oppacher-Friedrich, NiB, Armin Schulz, MainzZero, Marcel Weloe, BUND, MainzZero

Fotos: Edith Heller, Workers For Future, MainzZero

Weitere Informationen

Die Initiative Lebendiges Bretzenheim ist ein Zusammenschluss von über 40 Bretzenheimer Gewerbetreibenden und deren ca. 200 Mitarbeitern des Mainz-Bretzenheimer Ortskernes, die Umwandlung einer seit Jahren bestehenden -Verkehrsberuhigten Zone- in eine statische –Fußgängerzone– verhindern wollen.

Genauer gesagt sind dies all die Menschen, die in den Bäckereien, der Reinigung, den Änderungsschneidereien, den Apotheken, dem Blumenladen, dem Einrichtungsladen, den Banken, dem Buchladen, dem Schreibwarenladen, dem Musikalienladen, dem Imbissgeschäft, dem Feinkostladen, den Optikern, dem Schuhmacher, der Pizzeria, den Friseurgeschäften, den Zahnarztpraxen, dem Reisebüro, den Lebensmittelläden, den Handwerksbetrieben, den Arztpraxen usw. arbeiten und die Bretzenheimer Bürgerinnen und Bürger seit vielen Jahrzehnten tagtäglich direkt vor Ort von früh bis spät das ganze Jahr hindurch verlässlich versorgen und betreuen.

Die Attraktivität des Ortskernes als eine im Laufe von Jahrhunderten gewachsene innerörtliche Versorgungsstruktur und die Gewerbetreibenden als direkte Versorger leben vor allem davon, dass sie unkompliziert, schnell und problemlos für ihre Kunden und Patienten erreichbar sind und bleiben. Die weitaus überwiegende Zahl der Kunden und Patienten ist auf das Auto angewiesen und nicht in der Lage zu Fuß oder mit dem Rad zu kommen. Dies betrifft insbesondere einen ganz erheblichen Anteil älterer Patienten oder auch Patienten von außerhalb, die seit Jahrzehnten durch etliche alt eingesessene Arztpraxen betreut werden.

Brot, Schulheft, Rezept, Döner, das vorbestellte Buch oder Tabletten holen, wenn man auf dem Nachhauseweg ist oder „einfach“ zwischendrin, wenn man sowie unterwegs ist, ist ein alltägliches Handlungsprinzip, das für einen lebendigen Bretzenheimer Ortskern sorgt.

Der Verlust jedes einzelnen Parkplatzes macht den Ortskern ganz unbestreitbar für die kleine Erledigungen zwischendurch erheblich unattraktiver und verleitet die Kunden die weiter außerhalb liegenden Geschäfte mit Parkplätzen aufzusuchen. (Gutenbergcenter, Helix u. ä.)

Dies führt dazu, dass zusätzlich deutlich weitere Strecken mit dem Auto zurückgelegt werden. Diese Tendenz besteht ohnehin seit Jahren. Umso schwieriger ist es für die Geschäfte geworden, im Ortskern zu überleben und die Vielfalt und Attraktivität für ihre Kunden zu bewahren.

Die durch eine Fußgängerzone bedingte Sperrung würde außerdem den Verkehr massiv in alle umliegenden Straßen verlagern. Die Auswirkungen auf angrenzenden Straßen um den Ortskern sind noch nicht ansatzweise absehbar.

Wir glauben, dass das Prinzip der bestehenden Verkehrsberuhigten Zone die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer grundsätzlich hinreichend gewährleistet und nur straßenbautechnisch modifiziert werden müsste. Dass die Situation trotzdem verbesserungsfähig ist, steht außer Frage und es ist gerade den direkt Betroffenen, vor Ort arbeitenden ein sehr großes Anliegen dabei aktiv mitzuwirken und nach Kräften sämtliche sinnvollen Maßnahmen zu unterstützen, die die Situation nachhaltig verbessern.

Hauptursache für das Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer sind sowohl die zweifarbige Pflasterung als auch die Poller, die zusammen den Eindruck einer eigenen Fahrbahn für Fahrzeuge und eines separaten Bürgersteiges vermitteln, anstelle EINER GEMEINSAMEN Verkehrsfläche für ALLE Verkehrsteilnehmer.

Unzählige Möglichkeiten, die ohne größeren Aufwand realisierbar wären wie z.B. der Einbau von Schwellen in die Fahrbahn, die Entfernung der Poller oder Versetzung derselben, eine Aufpflasterung vor den Geschäften oder Veränderung der zweifarbigen Straßenpflasterung in eine einfarbige sowie optische Veränderungen mit auffälligeren Fahrbahnmarkierungen, die der besseren Wahrnehmung der verkehrsberuhigten Zone zuträglich wären, sind mit geringem Aufwand möglich.

Durch geringfügige Aufpflasterungen vor einzelnen, über Fahrbahnniveau liegenden Geschäften, könnte man so zudem mit überschaubarem Aufwand eine bessere Befahrbarkeit für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen erreichen, die bislang noch gar nicht gegeben ist. Durch Geländer würde außerdem die Gefahr, dass Kinder unkontrolliert auf die Straße laufen, drastisch reduziert werden.

Welche der vorgeschlagenen Lösungen allerdings die Richtige wäre, ist sachlich und an stichhaltigen Fakten orientiert im respektvollen Miteinander durch Bürgerinnen und Bürger, Ortsbeirat und Stadtverwaltung zu klären.

Denn ungeachtet aller Verkehrsprobleme, Klimaschutzargumente etc. ist im Alltag die Erreichbarkeit „des Gewerbes“ mit dem Kfz unbestreitbar ein wesentliches Bedürfnis und Attraktivitätskriterium für Kunden, Patienten und Lieferanten. Ein Ortskern ist erst dann ein attraktiver Ortskern, wenn er mit Geschäften und Praxen gefüllt wird.

Die aktuelle und seit vielen Jahren bestehende Parksituation im Bretzenheimer Ortskern ist bekannterweise katastrophal! Dies wird auch von Kunden und Patienten immer wieder spontan geäußert. Dafür bedarf es eben, zumindest heute noch, einer großen Zahl von Kurzzeitparkplätzen.

Langjährige Leerstände vieler Geschäfte in den Innenstädten bundesweit zeugen von den Schwierigkeiten, denen die verschiedenen Gewerbetreibenden sich stellen müssen. Diese Phasen hat Bretzenheim in den vergangenen Jahrzehnten gut gemeistert und aktuell findet sich statt Leerstand ein attraktiver Gewerbemix, der nach Corona besonders fragil ist und augenblicklich definitiv keiner weiteren Experimente bedarf.

Fußgängerzonenexperimente und weitere Parkplatzvernichtung, die die Erreichbarkeit der Geschäfte und Unternehmen im Ortskern massiv beeinträchtigen, wären für viele alle mit Sicherheit ruinös.

Daher die Bitte der Initiative Lebendiges Bretzenheim an die Bevölkerung: Unterstützen Sie uns bei der Erhaltung eines lebendigen und attraktiven aber auch eines überlebensfähigen Bretzenheimer Ortskerns. 

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